Stadtbibliothek unternimmt eine Zeitreise mit der Bibel

Die Besucher des Familiengottesdienstes wandelten in der Kinderbibliothek in Rapperswil auf den Spuren der schwarzen Kunst. Marc Lendenmann schlüpfte in die Rolle des Buchdruckers Christoph Froschauer und zeigte, wie man auf einer Gutenbergpresse druckt.

Quelle: Südostschweiz

Ein Erlebnisgottesdienst war der Auftakt zum Projekt "Gut zum Druck", das die Stadtbibliothek zusammen mit der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona zum 500-jährigen Reformationsjubiläum lancierte. Bis 28. Juni steht darum eine originalgetreu nachgebaute Gutenbergpresse in den Räumlichkeiten der Bibliothek.
Pfarrerin Katharina Hiller und Marc Lendenmann vom Bibellesebund blendeten am vergangenen Samstagnachmittag mit den Gottesdienstvesuchern zurück ins Jahr 1530, ins letzte Lebensjahr Ulrich Zwinglis. Hauptfigur des Gottesdienstes war aber nicht der Zürcher Reformator, sondern Christoph Froschauer, der erste Buchdrucker der Limmatstadt, der insbesondere die unter der Leitung Zwinglis übersetzte "Zürcher Bibel" druckte.

 

Die Bibel für alle

Pfarrerin Katharina Hiller begrüsste die kleinen und grossen Gottesdienstteilnehmer zur Reise in die Vergangenheit und schlug den Bogen zu den Büchern, welche den Leser eintauchen liessen in eine andere Welt und manchmal auch in eine andere Zeit. Mit dem Andrew Bond-Hit "B-i-b-e-l" waren die Kinder dann endgültig im Thema Buch angekommen und staunten schliesslich nicht schlecht, als ein historisch gewandeter Mann laut lesend den Raum betrat.
Marc Lendenmann, der den Buchdrucker Christoph Froschauer mimte. Er erzählte anschaulich aus dem Denken der Menschen der Reformationszeit und zeigte, wie sich das Verbreiten von Schriften von den Anfängen auf Papyrus bis zum ersten Einsatz von beweglichen metallischen Lettern auf der Gutenbergpresse entwickelte. Die Bibel im Seriendruck war plötzlich auch für Normalbürger erschwinglich und in einer Sprache lesbar, die alle verstanden. In seinen Geschichten schlug Lendenmann zuweilen grosse Bögen von den zehn Geboten zum Ablasshandel oder vom Wort Ikone bis zu den "Tolggen", welche die Druckfarbe auf seinem Leinenhemd hinterliessen. Dies war zwar sehr spannend und humorvoll, aber für die ganz Kleinen - gepaart mit der drückenden Hitze - etwas zu langfädig. Hellwach wurden die Buben und Mädchen am Ende wieder, als Lendenmann alias Froschauer mit ein paar Zaubertricks die Schar begeisterte. Wasserquellen versiegten nicht mehr und Saatgut verwandelte sich auch "auf steinigem Boden" in einen bunten Blumenstrauss.

 

Schüler lernen Handwerk kennen

Im Anschluss an den Gottesdienst konnte man dann nochmals live erleben, wie die Gutenbergpresse genau funktionierte. In den kommenden Wochen werden auch rund 300 Rapperswiler Mittelstufenschüler in den Genuss einer spannenden Zeitreise kommen. Sie werden im Rahmen des Schulunterrichts das alte Druckerhandwerk kennenlernen. Weiter gibt es am 15. Juni das Referat "Gut zum Druck. Faszination Bibel" und am Bücherflohmarkt vom 23. und 24. Juni kann man sich für Workshops zur schwarzen Kunst einschreiben.

 

Gabi Corvi, Südostschweiz, 11.06.2018

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