Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Bei den Bautagen in Neckertal entstehen aus Tausenden von Holzklötzen ­beeindruckende Bauwerke. Zugleich lernen Kinder eine biblische Geschichte kennen.

Quelle: Rino Hosennen, Tagblatt

Aus dem grünen Turnhallenboden des alten Primarschulhauses Necker wachsen in diesen Tagen meterhohe Türme, Brücken, Tore und andere hölzerne Bauwerke. Die Architekten und Bauarbeiter sind Mädchen und Buben im Kindergarten- und Primarschulalter. Einige wurden durch den Ferienpass auf das An­gebot aufmerksam, die anderen kamen spontan. Auf den durch Seilen abgetrennten Baustellen verbauen die 32 Kinder aus Dörfern des Unteren Neckertals 1400 Kilogramm Holzklötze und lassen sich dabei von berühmten Bauwerken wie dem Eiffelturm, der Tower Bridge oder dem Taj Mahal inspirieren.

«Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt», sagt Annerös Zehnder, Kirchenvorsteherin der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Unteres Neckertal. Sie war für die Organisation des Anlasses, der in Zusammenarbeit mit dem Bibellesebund Winterthur veranstaltet wird, verantwortlich. Im Miteinander etwas zu erleben und zu erschaffen, stehe für sie im Vordergrund. «Ausserdem soll eine Verbindung zwischen den Kindern und der Kirchgemeinde geschaffen werden. «Ich habe ein grosses Interesse dar­an, die jungen Menschen anzusprechen und ihnen zu zeigen, dass Kirche auch spielerisch sein kann.»

 

Gemeinschaft wird grossgeschrieben

«Unser Ziel besteht darin, die Kinder durch biblische Geschichten mit Gott ­bekannt zu machen», sagt Bauchef Andi Grossmann. Der Bibellesebund-Mitarbeiter stellt die «HolzBauWelt» zur Verfügung und gestaltet zusammen mit freiwilligen Jugendlichen und Erwachsenen der Kirchgemeinde das Rahmenprogramm. Neben der Glaubensvermittlung betont er ebenfalls den sozialen Aspekt des Projekts. Grosser Beliebtheit unter den Kindern erfreut sich das Gemeinschaftswerk: Der Bau eines Turms, bei dem alle Beteiligten mithelfen und der am Schluss eine Höhe von dreieinhalb Metern annehmen soll. Und beim gemeinsamen Bauen werde nicht nur das Sozialverhalten, sondern auch die Kreativität gefördert. «Mit den 80'000 Holzklötzen können die Kinder aus dem Vollen schöpfen. Sie sind beim Bauen völlig frei», sagt Grossmann. In Baupausen werden Lieder gesungen und eine Geschichte aus Bibel erzählt. «Es handelt sich jeweils um Erzählungen, die mit Bauerlebnissen zu tun haben. Zu diesem Anlass wird die Geschichte von Nehemia vorgestellt, der für den Wiederaufbau der Stadtmauer von Jerusalem sorgte.

Als Abschluss der drei Bautage findet heute Nachmittag nach einer letzten Bauphase ein öffentlicher Apéro mit Werkbesichtigung statt, zu dem Eltern, Freunde und Verwandte der Kinder, aber auch interessierte Besucher eingeladen sind. Der Höhepunkt stellt das Einsturzspektakel dar, wobei die Bauwerke kontrolliert zum Einsturz gebracht werden.

 

Rino Hosennen, St.Galler Tagblatt, 12.04.2017

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