Das bunte Werk der 450 Finger

Wie lange braucht man, um eine elf Meter lange Stadt aus tausenden von Legosteinen aufzubauen? Nicht so lang, wie man denken würde. In der Kinderwoche haben viele fleissige Kinderhände Erstaunliches geleistet.

Quelle: Frutigländer

Immer in den letzten Tagen der Herbstferien organisiert die reformierte Kirchgemeinde Frutigen eine Kinderwoche. Dort wird jeweils zu einem bestimmten Thema gebastelt, gespielt, gelernt und gesungen. In diesem Jahr wurde jedoch etwas ganz Spezielles angeboten: die Lego-Stadt. Der Bibellesebund (BLB) wendet sich mit diesem Projekt an Kirchen, Freikirchen oder auch Einzelpersonen. Es kann als Kinderwoche, Bauwochenende oder Ferienpassangebot gebucht werden. Nebst dem Bauen mit Legosteinen erfahren die Kinder auf spielerische und alltagsnahe Art, dass die Bibel auch heute noch aktuell ist.

Die Warteliste für das Angebot ist jedoch lang. Auch die Kirchgemeinde Frutigen musste sich einige Zeit gedulden, bis die verantwortliche Jugendarbeiterin Sarah Gyger dieses Projekt nach Frutigen holen konnte. Während der Kinderwoche standen ihr sieben freiwillige Helferinnen zur Seite.

 

Elf Meter lange Grundplatte

Am Montag 09. Oktober war es dann so weit. Der Lego-Stadt-Verantwortliche Marc Lendenmann, der die "Bauleitung" inne hatte und das Projekt während der ganzen Woche betreute, fuhr am Vormittag mit seinem Anhänger beim Kirchgemeindehaus vor. Dieser war gefüllt mit einigen hunderttausend Legosteinen, alle in Kisten abgefüllt, fein säuberlich sortiert und angeschrieben. Ein ausgeklügeltes und jahrelang erprobtes System steckt hinter dem Aufbau der Lego-Stadt. Marc Lendenmann machte alles parat. Im grossen Saal wurden fünf "Bauinseln" aufgestellt und Legoplatten zu einer elf Meter langen Strasse auf Böckli geschraubt. Das Abenteuer konnte beginnen.

Am Nachmittag fanden sich 45 aufgeregte Kinder für die fünf spannenden Halbtage im Kirchgemeindehaus ein. Gestartet wurde mit der "Mitenand-Zyt". Dort übte man Lieder, und die Kinder lernten die Handpuppe Gino kennen. Marc Lendenmann kann nämlich auch "Bauchreden", und die Kinder liebten die Begrüssung durch Gino. Dieser wusste immer eine lustige Anekdote zu erzählen und sorgte für herzhafte Lacher. Danach erzählte der "Bauleiter" eine biblische Geschichte, die später in der Kleingruppe vertieft wurde. Nach einem Zvieri ging es dann endlich mit dem Legobauen los.

 

Erst die Pflicht, dann die Kür

Am ersten Tag mussten die Kinder eine "Baumeisterprüfung" ablegen. In Zweier- oder Dreiergruppen bauten sie nach Anleitung ein einfaches, dreistöckiges Haus. Dabei mussten sie sich ganz genau an den Bauplan halten, weil die Häuser sonst nicht auf die Grundplatte gepasst hätten. Anhand der "Prüfung" sah Lendenmann, welche Bauprojekte er den Kindern anvertrauen konnte.

Manche Konstrukteure waren unglaublich fleissig und produzierten wahre Meisterwerke. Anderen genügte es, kleine Häuschen oder Fahrzeuge zu bauen und sich dann die ganze Woche mit diesen zu beschäftigen. Insgesamt wurde nur etwas mehr als sechs Stunden lang gebaut. Unglaublich, was in dieser kurzen Zeit alles entstand. Nach und nach füllte sich die Stadt mit vielen bunten Häusern, Hotels, einem Flughafen, einem Spital, einem Bauernhof, einem Bahnhof, einer Kirche und vielem mehr. Ergänzt wurde alles mit vielen Kleinteilen. Blumen, Fahrräder, Tiere und viel Zubehör vervollständigten das Bauwerk.

 

Präsentation vor dem Rückbau

Am Freitagabend wurde die Lego-Stadt mit einem Einweihungsgottesdienst eröffnet. Danach durften die Kinder endlich ihren Eltern, Geschwistern und Angehörigen ihre Bauwerke präsentieren. Dazu wurde ein Apéro gereicht. Natürlich musste man dabei darauf achten, dass nicht in der Nähe der Stadt gegessen wurde. Zu mühsam wäre es gewesen, irgendwelche Krümel wieder aus den Legosteinen zu entfernen.

Nach der Besichtigung wurde die wunderbare Stadt wieder abgebaut. Rund 30 Helferinnen rissen die Bauwerke auseinander und sortierten alles in die entsprechenden Kisten. In nur zwei Stunden war alles, was unter 90 fleissigen und kreativen Kinderhänden entstanden war, wieder verschwunden und im Lego-Anhänger verstaut. Diese spezielle Kinderwoche wird bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben.

 

Monya Schneider, Frutigländer, 30.08.2017

Zurück