Buchdruck machte Bibel zum Bestseller

Im Erlebnisgottesdienst «Gut zum Druck» war unter anderem zu erfahren, wie viel eine Bibel in Zürich vor 1530 kostete. Marc Lendenmann vom Bibellesebund erzählte und zeigte die Geschichte des Buchdrucks.

Quelle: Andelfinger Zeitung

Im Jahr 1530 ist die Druckerpresse eine Erfindung, die Johannes Gutenberg berühmt und die Bibel zum Bestseller machte. Warum, war von Marc Lendenmann zu erfahren, der beim Bibellesebund für das Programm «Gut zum Druck» verantwortlich ist. Am Sonntag war er gewandet als der erste Zürcher Buchdrucker Christoph Froschauer. In Leinen und Leder demonstrierte und erzählte er im gut gefüllten Feuerthaler Gotteshaus, wie früher gedruckt wurde – und verband dies mit passenden Bibelzitaten und deren Bedeutung im Leben.

Wurden Worte (viel) früher mündlich wiedergegeben, wurden sie bald auf Papyrus festgehalten und später auf Pergament. Und dann kam Johannes Gensfleisch. Gensfleisch? Kein Name, mit dem man berühmt wird, witzelte der Zürcher Drucker Christoph Froschauer. Gutenberg klingt dann doch besser.

 

600 Ziegenhäute pro Bibel

Gensfleisch alias Gutenberg erfand um 1442, inspiriert von Weinpressen, die Druckmaschine, die die Industrie revolutionieren sollte. Und die Kirche: Vor dem Verfahren mit Maschinen, die ganze Bücher einfach reproduzieren konnten, schrieben Mönche die Bibel ab. Eineinhalb Jahre brauchte ein Ordensbruder hierfür, 600 Ziegenhäute mussten alleine fürs Neue Testament herhalten. Dementsprechend teuer war das Werk: Zehn Jahreslöhne eines Schreiners kostete eine Bibel vor der Erfindung der Druckmaschine. 1530, als Christoph Froschauer mit dem Druck der Schriften in Zürich begann, waren es noch drei Wochenlöhne. So wurde die Bibel rasch zum Bestseller. Das Volk konnte sich das schriftliche Wort Gottes plötzlich leisten und machte rege Gebrauch davon.

Und auch für Analphabeten wurde eine Lösung gefunden: Wer nicht lesen konnte, konnte in Zürich ab 1531 die bebilderte Bibel kaufen. Die Reformatoren waren froh um die Verbreitung der Bibel – den Druck der Bibel hatte Huldrych Zwingli in der Schweiz vorangetrieben.

 

Selber zum Froschauer werden

Marc Lendenmann alias Christoph Froschauer beliess es nicht beim Erzählen. Im Gepäck hatte er eine Druckmaschine, wie sie 1530 gebraucht wurde. Dass sie so neuwertig aussieht, hat einen Grund: Sie ist nicht original von anno dazumal, sondern wurde vor wenigen Jahren für den Bibellesebund von zwei Schreinerlehrlingen nachgebaut.

Das tat der Faszination, die von der hölzernen Konstruktion ausgeht, keinen Abbruch. Kaum war der Gottesdienst zu Ende und hatte Karin Marterer Palm dem Gastreferenten gedankt, drängten sich die Gottesdienstbesucher um die Maschine. Mit einem grossen Lederstempel nimmt der Drucker die Schwärze auf, verteilt sie auf der metallenen Druckplatte, zieht einen Hebel, um so das Papier auf den Stempel zu drücken – fertig ist die gedruckte Seite. Im Akkord legte Christoph Froschauer Papier nach; nur beim Trocknen der Schwärze mussten sich alle gedulden. Denn «Tölgge» gehen schlecht wieder raus. Zumindest jene der Druckerfarbe, im echten Leben, so sagte er bei seinem Erlebnisgottesdienst, habe Gott ein «Waschmittel». Es nennt sich «Vergebung».

 

Eva Wanner, Andelfinger Zeitung, 08.11.2016

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